Mein knapp über sechs Jahre altes Subnotebook (Sony Vaio TZ-21MN/N) hat ein neues Betriebssystem bekommen: Windows 8 Pro 32-Bit.
Vorher lief es unter Vista Business, die ersten Jahre gut, stabil und zuverlässig, seit ungefähr zwei Jahren bettelt es um eine Neuinstallation, und ich habe mich endlich erweichen lassen.
Warum Windows 8?
Auf meinem Desktop-Rechner läuft Windows 7, auf meinem Telefon Windows Phone 7.5 (und angeblich in vier Tagen WP 7.8), da passt Windows 8 ganz gut in die Reihe. (Keine Ahnung, worauf mein Kindle läuft.) Mein Desktop ist für ernsthaftes Arbeiten – Schreiben, Grafik, XCOM -, und mein Telefon ist meine Social Network Embedding Device (SNED™). Mein Notebook soll irgendwo dazwischen sein – zu mehr in der Lage als mein Telefon, und als immer noch sehr mobiles Gerät dabei trotzdem schnell sein, insbesondere beim Start.
Außerdem sollte es sich schnell mit meinem Telefon synchronisieren lassen, da ich meinen Desktop gerne mit allem verschone, was mit Sozialleben zu tun hat.
Windows 8 erfüllt all das, und ich habe es mir ein paar Mal vorher angesehen und beschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, solange Microsoft noch seine Kampfpreise fährt.
Installation
DVD rein, knapp 40 Minuten warten, dann 20 Minuten nicht merken, daß man vor dem Lockscreen sitzt und der Kleine darauf wartet, daß man ihn anmacht, ein Neustart, fertig. Das alte Betriebssystem inklusive aller Programme ist freundlicherweise noch da, falls man es sich spontan (oder genervt) anders überlegen sollte.
Hochfahren
Schnell. (Zwischen 30-50 Sekunden, wer das langsam findet, dem sei in Erinnerung gerufen, daß der Kleine a) vorher knapp acht Minuten gebraucht hat, bis er ansprechbar war und b) mit zwei Mal einem Gigahertz ein Gigabyte RAM verwaltet.)
Wo ist denn bloß das Startmenü hin?
Man guckt drauf. Ehrlich. Es hat einen Moment gedauert, bis ich es begriffen habe, aber der Startbildschirm ist das alte Startmenü, genauer gesagt, das, was man bei Vista und 7 ans Startmenü angeheftet hat. (Der Name hätte ein deutlicher Hinweis sein sollen, aber la.) Was vorher Start->alle Programme war, ist jetzt Rechtsklick->alle Apps.
Die Aufregung über diese Veränderung ist ein bißchen wie die zur Einführung von Windows 95. (Ja, ich bin so alt. Ich bin sogar MS-DOS 5.0-alt. Damals hat man sich übrigens in Leserbriefen von Computerzeitschriften aufgeregt.)
Läuft wirklich allles im Vollbild-Modus?
Ja. Alle Apps laufen im Vollbildmodus, oder, wenn sie entsprechend programmiert sind, in einen Drittel bzw. zwei Dritteln des Bildschirms.
Und nachdem jetzt alle schreiend weggelaufen sind, verrate ich ein Geheimnis: Der Desktop ist jetzt eine App.
Und alles, was man landläufig als Programm bezeichnet (und was keine dedizierte Windows 8-App ist) läuft innerhalb der Desktop-App. Die sich nicht ernsthaft vom Windows 7-Desktop unterscheidet. Von den schärferen Kanten mal abgesehen.
Funktioniert es ohne Touchscreen?
Für mich ja, für Leute, die mehr mit der Maus als mit Tastenkombinationen arbeiten, vielleicht nicht so gut. Wenn man die vier wichtigsten Tastenkürzel (Win-x, Win-c, Win-q und, unverändert von früher, Win-Tab) verinnerlicht hat und sich primär im Desktopbereich aufhält, ist es eigentlich kein Problem.
Die Bedienoberfläche der Apps ist allerdings spärbar auf das Bewegen des Bildschirminhaltes (wie bei Touchscreens) statt auf das Bewegen des Blickwinkels (wie beim klassischen Scrollen) ausgelegt; ich persönlich gerate da sowieso mittlerweile manchmal durcheinander. Apps sind, anders als bei Windows Phone, eher auf horizontale als auf vertikale Navigation ausgelegt; ein vielleicht sinnvolles, aber gewöhnungsbedürftiges Anpassen an die Welt des standardmäßigen 16:9 Seitenverhältnisses.
Seitdem ich einen Treiber für mein Touchpad aufgetrieben habe und wieder scollen kann, ist all das aber eher unproblematisch.
Und sonst so?
Windows 8 ist nicht so weit weg von Windows 7, wie sein Startmenu aussieht. Es ist klar auf die mobile Welt angelegt – so sehr, daß ich persönlich mich frage, warum es überhaupt Windows RT gibt; wenn es Tablets mit Windows 8 gäbe, wäre ich ihnen nicht so feindselig gegenüber wie den IdiOSen der Gegenwart. Denn Windows 8 hat einfach noch ein echtes, zugängliches Betriebssystem unter einer Haube, die man noch aufmachen kann: mit Eingabeaufforderung und Systemkonfiguration, einem klar (und besser) strukturierten Taskmanager – sprich, es ist für den Anwender konfigurierbar.
Perfekt ist es wahrscheinlich für Notebook/Tablet-Hybride wie den Vaio Duo 11 (auf dem ich es das erste Mal gesehen habe).
Und überhaupt?
Bin ich in der letzten Woche zweimal hämisch auf meine Nutzung von Microsoft-Betriebssystemen angesprochen worden; einmal in Bezug auf mein Telefon, einmal auf Windows 8. In einer Welt, in der Apple mittlerweile all das verkörpert, was man früher an Microsoft kritisiert hat, ist das immer ganz lustig.
Ich habe kein Problem mit dem Produkt iPhone, und ich habe auch immer gerne an Apple-Computern gearbeitet, wenn ich musste. Ich mag die Unternehmenspolitik von Apple nicht, und die Computer waren mir immer zu oberflächlich; und für Linux fehlt mir die Geduld. Microsoft hat mit Windows XP und Windows 7 hervorragende Betriebssysteme geschaffen; ich verstehe aber die Kritik an Vista, auch wenn ich, wahrscheinlich auch deshalb, weil ich eine Business-Version hatte, nie dieselben Problem damit hatte.
Aber Tatsache ist, daß der einzige Bluescreen of Death, den ich in den letzten fünf Jahren gesehen habe, auf meinem iPod war. Mehr als einmal. Und Tatsache ist auch, daß man für ältere iOS-Telefone keine Apps mehr bekommt, während ältere Windows Phones laufen, kostenlos im Standard an angeglichen werden, so sehr es ihre Architektur erlaubt.
Also lasst mich mal bitte meinen Entscheidungen treffen, die auf sehr sachlichen Erfahrungswerten und Beurteilungen beruhen. Ich lasse Euch auch iOS und Android benutzen, und ich finde, vieles spricht für beide; mehr, als dagegen spricht.
Aber es spricht auch mehr für Microsoft, dieser Tage, als dagegen spricht. Windows Phone ist ein sehr, sehr elegantes und angenehmes Betriebssystem für Telefone – das Beste, das ich je gesehen habe, aber das ist eine persönliche Einschätzung, keine allgemein gültige – und Windows 8 ist ein daran angelehnter Hybrid aus Windows 7 und Windows Phone. Es ist schnell, bis jetzt zuverlässig, kann alles, was Windows 7 kann, kann alles, was Windows Phone kann, und lässt sich mit meinem Telefon synchronisieren.
Ohne, daß ich etwas dafür tun müsste. Es synchronisiert sich einfach. Die Synchronisation von Live-Kontos (mit allen anderen Konten von facebook bis google darin integriert) ist etwas unheimlich, aber sie erfüllt ihren Zweck.

