Zeugs

•19. August 2011 • 1 Kommentar

Daimones
Eine Zugfahrt und eine sehr, sehr unwahrscheinliche Zufallsbegegnung haben mich dazu bewogen, mir meinen KKSdgM-Beitrag – die Daimones-Dramen-Reihe – mal wieder vorzunehmen und umzuarbeiten. Keine Ahnung, was daraus wird, auf jeden Fall werden die postmoderneren Züge, wie sie bereits im Zwischenspiel vorkommen, wohl um einiges deutlicher werden. Deswegen ist Teil Zwei zur Zeit offline.

Feder
Ja, ich schreibe noch, und ich trete auch noch auf, auch wenn ich gerade eine Weile Pause gemacht habe. Aktuellstes Werk (bis Haus-Baum-Kind fertig ist) in seiner Debut-Fassung (sprich, nervös und hibbelig):

Aufgenommen bei Arno Wilhelm’s Dichtungsring im Juli, was sehr passend ist. (Arno ist der grinsende Kerl rechts am Bildrand.)

Essenz

•28. Februar 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Zum Erscheinen des zweiten Dichtungsring-Videos hier auf mehrfachen Wunsch der dazugehörige Text, hauptsächlich, weil ich mich selber kaum verstehe. (Woraus wir lernen, das der nervositätssenkende Effekt von Bier ab einem gewissen Zeitpunkt auch negative Konsequenzen hat. Vor allem, wenn man kurz vorher auf kleine technische Mängel im Vortrag hingewiesen worden ist.) Als Bonus sind sämtliche Verweise auf andere Texte verlinkt, sofern sie hier verfügbar sind, sprich, es gibt Hypertext in einem Metatext.

Essenz

Ich lese diese Zeilen wieder und wieder.
Lese Gedichte und Reime und Lieder
von großen Gefühlen und manchmal auch von niederen Trieben
von hehren Motiven und noch hehreren Zielen

und ich bin sie manchmal alle satt.
Bin schon jetzt die ersten vier Zeilen dieses Textes satt.
Unreine Reime auf dem Altar des Taktes.
Gleichklänge und solche, die sich dafür halten, inmitten von
Aufzählungen und Steigerungen und willkürlichen
Zeilenumbrüchen.

Ich schrieb solche Zeilen wieder und wieder.
Epischer Pathos erwürgt von selbstherrlicher Finesse, gewürzt mit
der Offenbarung des Johannes
Spieltheorie
katholischen Beichtstühlen
Gargylen, Hades, Athene, dem Garten Eden, Platon
der Ursünde (und anscheinend einen englischen Thesaurus)
echten und erfunden japanischen Vokabeln
wurzelechten Rosensorten
billigen Gegensatzpaaren
chinesischen Wandlungsphasen
Kaffee
Meereströmungen
der Menschenrechtserklärung, dem Koran, den Upanishaden, dem Dao De Jing, Miyamoto Musashi und dem Johannesevangelium
multipler Persönlichkeitsstörung
Astrologie
Tarot
Spieltheorie
nochmal Tarot
Edelsteinen
McDonalds
nochmal Hades
der Waffensachkunde
Und immer, immer, immer der Liebe.

Aber natürlich nicht der „Es ist was sie ist“-Liebe.
Wie Faust war mir nicht das Wort, sondern die Tat,
- und damit habe ich gleich auf zwei Dichter verwiesen, die ich nicht mag -
nein, meine Liebe ist nicht, was sie ist, sie ist, was sie muß.
Ein schweigendes Wort, ein gedachter Kuss
Ein Blick in die Ferne, ein reißender Fluss
Ein Anfang. Ein Ende. Ein Weg. Kein Entschluss.
Und damit ist sie ein bißchen wie ich.

Denn ich schreibe auch nicht, was ich bin, sondern was ich muß, und entschließen kann ich mich sowieso zu nichts, und wenn ich über mich schreibe, dann muß ich alles sein: Vergleich, Metapher, Prosopopoiia, und was sich sonst noch alles im „Deutschen Wortschatz nach Sachgruppen“, Dornseiff, achte Auflage unter Punkt 12.36, „bildlicher Ausdruck“ finden lässt.

Da ist man dann Fährmann, Wasserspeier, Gefährte, Befreier, Verführer, Getreuer, damit bloß niemand merkt, daß hinter dem eingebildeten Mistkerl gerne eigentlich einfach nur ein gebildeter kleiner Junge mit Brille an der Kasse abgeholt werden möchte.

Bevorzugt mit Liebe.

Und das sagt sich dann so leicht. Das kann die Serviceperson an der Kasse oder ich hier auf der Bühne ganz einfach ins Mikrophon sagen, irgendwann zwischen der Werbung und der Unterhaltungsmusik.

Aber das geht natürlich trotzdem nicht. Da bin ich dann doch nicht wie die Liebe, sondern wie die Lyrik, und dann will ich auch bitte entschlüsselt werden.

Also verstecke ich überall Andeutungen und kleine Hinweise und das eine oder andere Akrostichon und einen subtilen Scherz in Vers elf, den man nur versteht, wenn man erstens Umberto Ecos Gesamtwerk gelesen und zweitens alle Staffeln von „Buffy – im Bann der Dämonen“ gesehen hat. Auf englisch.

Nur manchmal frage ich mich, warum. Wem will ich hier eigentlich was verkaufen? Und wie erfolgreich ist der Versuch? Froschschenkel zu essen versteht auch keiner, und wenn man es trotzdem tut, stellt man fest, daß ein Bissen Fleisch, der halb nach Hühnchen und halb nach Hering schmeckt, das Geld irgendwie nicht wert war. Ungefähr so wie das:

Von Dichtung und Wahrheit erzählten unsere Blicke
danach. Wir wenden sie und uns voneinander ab
und waschen schweigend das Laken in Unschuld.

Sehr bildhaft. Aber erstens, unschuldig bin ich schon lange nicht mehr, also wird das Laken auch nicht sauber. Zweitens, die Wahrheit erzählen weder ich noch meine Blicke sonderlich oft.

Und was drittens die Dichtung angeht:
Wenn es dann einmal, ein einziges Mal wirklich darauf ankäme
so zu schreiben, wie ich es sonst immer tue
schreibe ich einen prosaischen Text
für eine Lyriklesebühne.

Zweisam

•9. Februar 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Mein Eröffnungstext bei meinem gestrigen Auftritt beim Dichtungsring, der Lesebühne von Arno Wilhelm im Laika. Die anderen beiden größeren Textbeiträge meinerseits sind in Leseform eher anstrengend (Essenz) oder noch nicht ganz ausgreift (Flucht), deswegen werden sie entweder auf Video (Essenz) oder nach Bearbeitung (Flucht) veröffentlicht.

Update: Das Video zu Zweisam gibt es jetzt hier.

Zweisam

1. Du

Laß mich dein „vielleicht“ sein.
Dein Zweifel, wenn Du mit dir eins bist,
dein „es könnte auch anders sein“,
oder, anders ausgedrückt,
laß mich das „andererseits“
für dein „einerseits“ sein.

Laß mich dein „oder“ sein,
bevor dir ein „entweder“ eingefallen ist,
oder dein „weder noch“,
wenn du an beidem Gefallen gefunden hast.
Dein „doch“, wenn du „nein“ sagst,
und dein „ja“, wenn du „nein“ meinst.

Laß mich deine Antworten in Frage und
dein Licht unter einen Scheffel stellen.
Besser noch, laß mich der Scheffel selbst sein,
wenn du einen lichten Moment hast,
und ich werde dich dafür ins Rampenlicht stellen
wenn du einen eher schlichten Moment hast.

2. Ich

Früher mochte ich dich einmal.
Früher habe ich dich vielleicht sogar geliebt.
Du warst das „Moment mal“, wenn ich zu sehr in Fahrt war,
und wenn ich vor Furcht erstarrt war, warst du erst recht da,
dann hast du mir Mut zu- und das Blaue vom Himmel herunterversprochen,
und ich, ich habe dir geglaubt.

Früher mochte ich dich einmal.
Da wusstest du, in welchem Moment du nicht gefragt warst
und wann du die richtige Frage im rechten Moment
oder die Antwort, die sonst keiner erkennt, warst.
Da hast du mir dann Sicherheit ge- und meine Fehler vergeben,
und ich, ich habe dir vertraut.

Früher habe ich dich vielleicht sogar geliebt.
Da konntest du mich auf Auswege hinweisen, wenn ich fest- oder verfahren war
mich ausweisen, wenn ich auf verbotenen Wegen unterwegs war,
und mir Grenzen aufzeigen, von denen du dann aber meistens behauptet hast,
ich könnte an ihnen und ein Stückchen über sie hinaus wachsen.
Und ja, ich habe dich geliebt.

3. Wir

Wir sind beide gewachsen, du und ich.
Und wir sind aneinander gewachsen, du und ich. Ich an dir, du an mir.
Aber wir sind nicht aufeinander zu gewachsen, wir sind nicht zusammen gewachsen,
wir haben stattdessen voneinander gezehrt und haben uns gegenseitig verkrüppelt
und wenn wir so weiter machen wie bisher, dann werden wir vor allem nie erwachsen.

Wir haben viel miteinander geredet, du und ich.
Und es ist Zeit, daß wir damit aufhören. Wir haben so viel miteinander geredet,
daß ich die Hälfte der Zeit nicht einmal mehr weiß, wer von uns beiden gerade spricht.
Du hast keine eigene Stimme mehr, du hast dir meine zu eigen gemacht,
und das so lange, daß ich meine eigene kaum noch erkenne.

Wir haben viel voneinander gelernt, du und ich.
Und es ist Zeit, zu lernen, wann Schluß ist.
Ich weiß nicht, ob ich gelernt habe, ohne dich zurecht zu kommen,
aber ich habe gelernt, daß ich mit dir nichts mehr anzufangen weiß.
Ich habe gelernt, daß ich mit dir kein Ende finde.
Und ich habe gelernt, daß ich meinen Weg nicht gehen kann,
wenn ich dir ständig aus dem Weg gehen muss.

Wir haben zusammen gelebt, du und ich.
Und es ist Zeit, daß du gehst.

Ruined forever?

•15. Oktober 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Gestern Nacht, 2:16 Uhr. Gleichzeitig – das Jahr 1957, auf einer Welt ähnlich der unseren, nur mit kleineren Kontinenten. Ein Erfahrungsbericht – und ein sehr subjektiver Review.

Zwei sehr angeschlagene Schützenverbände und ein weiterer frisch aus den Fabriken von Kagoshima haben endlich den Pass nördlich von Vienna eingenommen und gehalten. Das osmanische Reich hat nur eine schmale Küstenstraße und ein von Bergen gesäumtes schmales Tal, um diese Stellung zu erreichen, aber es ist seine wichtigste Route nach Vienna, dem Stadtstaat, den es in den letzten dreihundert Jahren bereits dreimal besetzt hat. Unterstützt von einem Kanonenregiment und zwei Zerstörern, die beide Straßen unablässig mit Feuer belegen, hat Japan seinem Verbündeten Stadtstaat endlich ein wenig Luft zum Atmen verschafft. Weiterlesen ‘Ruined forever?’

Eigentlich…

•8. Januar 2010 • 2 Kommentare

…müsste ich ja gerade einen Artikel für Slammin’ Poetry geschrieben haben. Eigentlich. Aber dann stolperte ich wie jeden Freitag von der „Ask the Pilot“-Kolumne auf Salon zu Bruce Schneiers Blog, und siehe da – mein liebster Security-Guru liest die gleiche Kolumne wie ich, und ruft zu dem von Patrick Smith vorgeschlagenen TSA-Logo-Wettbewerb aus.

Und eine Stunde quick-and-dirty-p’shopping später:

TSA Logo

Wenn ich die Zeit finde, mache ich mal eine schmuckere Vektorgrafik draus. Und jetzt suche ich mal meine Notizen vom Sex-Slam.

Allen ein frohes 2010,
kurushio

Mehr Zeug

•3. Dezember 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Dunkle Einheiten
Mit gut 25.000 Wörtern verlasse ich den NaNoWriMo – ungefähr ein Drittel dessen, was der Plot vorhatte. Ein Rat für alle, die nächstes Jahr mitspielen wollen: Macht keinen Tag Pause. Und vor allem nicht zwei Tage. Es bringt einen völlig raus, also muss man alles nochmal lesen, wenn man alles nochmal liest, fängt man unterbewußt an, zu korrigieren und lektorieren – und dann ist sowieso alles vorbei.
Oder, alternativ, nehmt einfach nicht am NaNoWriMo teil, während Ihr auf Jobsuche seid.

Fundstück
Zur Begründung des Afghanistankrieges mit der Hindukusch-Verteidigung:

How would the US feel about Norway coming over here and defending gay couples right to marriage?“

User Kristine auf jimbutcheronline.com – einem der gepflegtesten Diskussionsforen, die ich je gesehen habe.

Frohe Adventszeit allen
kurushio

Zeugs

•10. November 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Red Dwarves, Bright Giants – Bread Holes?
Spiegel Online hatte gestern einen wunderbaren Anflug von Ironie: Luftangriff auf den LHC. Wenn man die Hysterie bei der Einweihung bedenkt, wäre das die perfekte Gelegenheit für TPTB gewesen, die Welt untergehen zu lassen.

Perlentauchen
Auf der ehrenamtlichen Seite des Lebens ist mein Interview mit Peh für slammin poetry endlich fertig geworden. Auch wenn es fast schon ewig her ist, hatte ich wirklich Spaß daran – und hätte gerne ein Kamerateam dabei gehabt.

Dunkle Einheiten
Aktueller Stand beim NaNoWriMo: 13.614. Und nein, ich werde nicht anfangen, wie Lia ein entsprechendes Widget am Seitenrand zu platzieren. Der Statistikbalken macht mir schon genug Stress.

Frage des Tages
What would Bennet do?

Zurück an den Schreibtisch – figuratively, ’cause I’m already there -,
kurushio

salmon sermon

•5. November 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

„Being an artist is like being a salmon – you spend most of your time swimming upstream, climbing waterfalls, evading bears, and half of everything you accomplish gets eaten on its way back to the sea.“

Soll keiner sagen, ich könnte keine Gleichnisse von mir geben.

Kurz vor den 10.000,
kurushio

Der Countdown läuft…

•21. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar
NaNoWriMo Participant 2009

NaNoWriMo Participant 2009

…und ich habe absolut keine Ahnung, was ich schreiben werde, da ich mir fest vorgenommen habe, auch dieses Jahr nicht einfach (ja klar, einfach) irgendetwas zu fertig zu schreiben, was ich bereits angefangen habe. Das Brainstorming am 01.11. verspricht lustig zu werden.

Aber ich weiß schon, warum ich mir „How Not To Write A Novel“ gekauft habe.

kurushio

ps: Ausführliche Informationen zum National Novel Writing Month 2009 gibt es hier. Einen unabhängigen Blogbeitrag zum Projekt – der mich überhaupt erst darauf aufmerksam gemacht hat – aus dem letzten Jahr findet man bei USA Erklärt.

There Is No Such Thing As Notability

•24. September 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Eine Warnung vorweg: TV Tropes Will Ruin Your Life.

Ich habe mich bei TV Tropes angemeldet, um den Übersetzern für die deutsche Version ein bißchen unter die Arme zu greifen. Im Gegensatz zur Wikipedia fühlt man sich dort übrigens sofort willkommen.

Das Schönste ist, daß man sich eine eigene Seite erstellen kann, und das eigene Leben auf erfüllte, untergrabene und abgewendete Tropen zu durchsuchen ist etwas, was ich nur jedem empfehlen kann.

kurushio

 
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