Prosopopoiia

Prosopopoiia

Auf den Zinnen der Mauer, die dich umgibt
wache ich, lauernd, und würge nicht müdend
die Schauer zur Traufe – ein steinerner Speier,
ein grotesker Spiegel all dessen, was hässlich,
auf ewig den Blick in die Ferne gemeißelt.

Auf den Wassern des Flusses, der dich umgibt
fahre ich, stetig, und trage nicht müdend
die Seelen ins Feuer – geheuerter Fährmann,
ein kalter Prospektor all dessen, was würdig,
auf ewig zwischen den Ufern gefangen.

In der Hand des Körpers, der dich umgibt
ruhe ich, geführt, und äuge nicht müdend
das Belebte zu Stein – ein starrender Schild,
ein Haupt der Gorgone all jenem, was sehend,
auf ewig aus deinem Gesichtsfeld verbannt.

Um den Baum des Gartens, der dich umgibt
kreise ich, rastlos, und preise nicht müdend
die Frucht zum Verzehr – verführender Wächter,
ein Festmahl gewährend all jenem, was hungert,
auf ewig nur Erde zu essen gezwungen.

In der Weite der Welt, die dich umgibt
lebe ich, wörtlich, und nenne nicht müdend
die Dinge beim Namen – platonischer Gleicher,
ein Hüter all dessen, was gedacht, nicht gefühlt,
auf ewig zu einem Begriff verklärt.

05.01.2009


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